Generation Z im Job: Missverstanden oder einfach anders geprägt?
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. März
Der Konflikt zwischen Generationen ist oft gar keiner

"Generation Z versteht Arbeitswelt nicht! Wir waren damals leistungsfähiger!"
Wie siehst du diesen Satz?
Ich höre diesen Satz oft. Und ich verstehe, warum er gesagt wird. Viele Menschen vergleichen die Arbeitswelt von heute mit ihrem eigenen Start. Bei mir war das die Zeit der Schreibmaschine. Feierabend bedeutete wirklich Feierabend. Die Arbeit blieb im Büro. Heute passt der komplette Arbeitsplatz in eine Tasche. Laptop aufklappen, Teams öffnen, weiter geht’s. Diese Veränderung ist enorm und sie beeinflusst ganz automatisch, wie wir Arbeit wahrnehmen.
In Unternehmen erlebe ich, dass genau hier Missverständnisse entstehen. Ältere Generationen messen Leistung oft noch an Präsenz und Durchhaltevermögen. Jüngere erleben Arbeit viel stärker als flexibel und ergebnisorientiert. Beide Perspektiven sind absolut nachvollziehbar. Sie sind nur in unterschiedlichen Realitäten entstanden.
Stichwort Anspruchsdenken: Sind die heutigen jungen Menschen einfach zu verwöhnt?
Ich erlebe eher, dass junge Menschen Dinge sichtbar machen, die lange unter dem Radar liefen. Ein Beispiel, das ich sehr mag, kommt aus einem Unternehmen, das ich begleitet habe. Dort haben Auszubildende zum Firmenjubiläum einen Film produziert. Komplett eigenständig, ohne Agentur und ohne Anleitung. Sie sind durch den Betrieb gegangen, haben mit langjährigen Mitarbeitenden gesprochen und Geschichten gesammelt. Auch kleine Anekdoten, wie die vom Faxgerät in der Geschäftsleitung, das zwei Tage lang „defekt“ war, bis jemand den Hörer richtig aufgelegt hat.
Als der Film gezeigt wurde, war es erst still im Raum. Dann kam Applaus. Und ein Mitarbeiter, der seit fast vierzig Jahren im Unternehmen war, sagte, dass er gar nicht wusste, wie sehr sich die Auszubildenden für die Geschichte des Betriebs interessieren.
Das ist für mich ein Schlüsselmoment. Junge Menschen wollen sich einbringen. Sie wollen verstehen und gestalten. Was dann manchmal wie Anspruch wirkt, ist oft einfach Engagement.
Viele UnternehmerInnen beklagen sich aktuell über den großen Unterschied in der Leistung und Motivation zwischen älteren und jüngeren MitarbeiterInnen. Wie lässt sich da eine Brücke bauen und überhaupt erst eine Kommunikation erschaffen?
Ich erlebe diesen Unterschied im Alltag deutlich weniger dramatisch, als er oft beschrieben wird. Was ich sehe, sind unterschiedliche Arbeitslogiken. Ein sehr gutes Beispiel ist das Digiscouts Programm, das unter anderem vom RKW Kompetenzzentrum begleitet wird. Dort entwickeln Auszubildende eigenständig Digitalisierungsprojekte für ihren Betrieb und präsentieren ihre Ergebnisse vor der Geschäftsleitung.
Dabei passiert etwas Spannendes. Junge Menschen wachsen über sich hinaus. Sie stehen plötzlich selbstbewusst vorne und zeigen, was sie entwickelt haben. Gleichzeitig erleben erfahrene Mitarbeitende, wie viel Potenzial im Nachwuchs steckt. Solche gemeinsamen Erfahrungen bauen Brücken durch echtes Tun.
Was braucht es von den Älteren, um die Jüngeren zu verstehen und umgekehrt?
Ich habe eine Geschichte aus der OTTO Group im Kopf, die ich sehr eindrücklich finde. Dort gibt es ein GenAI Ambassador Programm, in dem Mitarbeitende sich altersunabhängig gegenseitig beim Einstieg in KI unterstützen. Eine Assistentin, die gerade sechzig geworden ist, kam zunächst mit vielen Fragen. Nach einer Schulung wollte sie plötzlich selbst andere unterstützen und Teil dieses Programms werden.
Das zeigt sehr schön, was möglich ist. Es geht gar nicht so sehr um Alter. Es geht um den Zugang und die Einladung, sich einzubringen. Beide Seiten brauchen dafür Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Und wie kann KI dabei helfen?
Ein besonders greifbares Beispiel kommt von Semorai. Dort werden KI Systeme für Ingenieure eingesetzt, um technisches Wissen zu strukturieren und zugänglich zu machen. Die Systeme erkennen typische Fehler und geben Hinweise, worauf zu achten ist.
Für Nachwuchskräfte bedeutet das, sie können direkt von der Erfahrung der Senior Experts profitieren, ohne dass diese alles ständig wiederholen müssen. Gleichzeitig erleben erfahrene Mitarbeitende, dass ihr Wissen sichtbar wird und im Unternehmen bleibt. Genau so wird KI zur Brücke zwischen Generationen.
Ich sage oft, KI ist wie eine neue Kollegin im Team. Sie kann erklären, übersetzen und verbinden. Viele dieser Beispiele habe ich in meinem Buch „Viele Generationen, ein Team – Gemeinsam stark im Job mit KI“ gesammelt. Mir war wichtig zu zeigen, dass Zusammenarbeit zwischen Generationen ein wertvolles Potenzial ist, das bewusst genutzt werden kann.

Rosemarie Thiedmann ist Keynote Speakerin, Autorin und Organisationsberaterin. Sie zeigt anhand von praktischen Alltagsanwendungen, wie die KI genutzt werden kann, um Brücken zwischen den Generationen zu bauen und die Kommunikation im Betrieb spürbar zu verbessern.



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